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Arnold Matt: «Die Aufgaben wurden von der Regierung schon seit längerer Zeit gemacht»

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Nach Ansicht von Wirtschaftskammer-Präsident Arnold Matt müssen in Liechtenstein mehr Betriebe mit grosser Wertschöpfung angesiedelt werden. Das weiss man schon lange. Wichtige Grundlagen sind bereits seit Langem erarbeitet. Doch was wurde daraus?

«Die Aufgaben wurden von der Regierung schon seit längerer Zeit gemacht. Es gab oder gibt ein Projekt Perspektive 11eins – 11 Gemeinden – ein Land, das bereits mit den Gemeinden erarbeitet wurde. Dieses Projekt könnte man ohne Weiteres aktivieren und als Grundlage herziehen», meint Arnold Matt gegenüber dem «Volksblatt». Man muss schon bis ins Jahr 2008 zurückblicken, um dem beinahe schon geheimnisvollen Projekt auf die Spur zu kommen. Seinerzeit erkannte man, dass die landesinterne Kommunikation und die Abstimmung zwischen Land und Gemeinden in übergeordneten Fragen wie Wirtschaft, Verkehr, Tourismus, Kultur und Standortmarketing für die Stärkung des Wirtschaftsstand-ortes wichtig ist, und das vorhandenes Potenzial stärker genutzt und mögliche Synergien besser ausgeschöpft werden sollten. Zu diesem Zweck erarbeiteten damals alle Gemeinden Bestandsaufnahmen und entwickelten Visionen und Zukunftsstrategien. Veröffentlicht wurde der Zwischenbericht damals nicht – dem «Volksblatt» liegt dieser umfangreiche Bericht nun erstmals vor – erste Auszüge aus den damaligen Selbsteinschätzungen der Gemeinden mit dem Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung werden bereits heute veröffentlicht.

Balzers sah Klumpenrisiko
Die Gemeinde Balzers zählte im Jahr 2008 im Hinblick auf die eigene wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit ihre gute Finanzlage, die Handwerksbetriebe sowie steuerliche Vorteile für ausländische Unternehmen zu den Stärken. Auf der anderen Seite sahen die damals Verantwortlichen aber auch Risiken: Die Abhängigkeit vom Finanzausgleich, eine zu kleine Diversifikation im Hinblick auf die Arbeitsplätze, ein Klumpenrisiko aufgrund der Abhängigkeit von einem Unternehmen, eine nur beschränkte Möglichkeit für die Ansiedelung neuer Betriebe und insgesamt zu wenig wirtschaftliche Einkünfte. Als besondere Chancen erkannte man seinerzeit die Verkehrslage, die es ermöglichen sollte neue Arbeitsplätze anzusiedeln. Die Erweiterung der Industriezone, die Förderung von Energie, sowie neuer Wohnraum für die Chipfabrik im Gonzen wurden damals ebenfalls genannt. Aus dieser Bestandsaufnahme wurde damals der Leitsatz entwickelt, dass die Gemeinde Balzers das qualitative Wachstum wertschöpfungsintensiver Branchen fördert – bereits ansässige Unternehmen sollten systematisch gehegt und gepflegt werden.

Triesen: «Qualität vor Quantität»
Mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein ging im Jahr 2008 die Gemeinde Triesen ins Rennen. Seinerzeit wollte man sich wirtschaftlicher Sicht als dynamischer und wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort für Industrie, Technologie, Dienstleistungen und Gewerbe profilieren. Als künftige Leitsätze wurden damals die Stärkung, Förderung und Diversifizierung durch attraktive Rahmenbedingungen im Einklang mit anderen Standorten im Land genannt. Zudem sollten Arbeits- und Ausbildungsplätze unterstützt und gefördert werden. Schon damals sprach man sich ausserdem für die Neuansiedlung von innovativen, sauberen und umweltfreundlichen Betrieben in Industrie, Technologie, Gewerbe und Dienstleistung aus. «Qualität vor Quantität» betonte man in diesem Zusammenhang ausdrücklich. Ebenfalls besonders hervorgehoben wurde der Ausbau der Infrastruktur, beispielsweise bei der Telekommunikation und der Verkehrs-anbindung. Dies sei einer der wichtigsten Punkte bei der Wirtschaftsförderung und nur zusammen mit dem Land lösbar, hielten die Verantwortlichen damals ausdrücklich fest. Eine klare Absage erteilte man damals Firmen, «die gratis Land und Steuervorteile erwarten». Aufbauen wollte man aber den Bereich Hochtechnologie, bestehende Strukturen sollten nachhaltig entwickelt werden und man wollte Triesen als Bildungsstandort mit Unterstützung der Wirtschaft aufbauen.

Triesenberg mit Strukturproblemen
Zweifellos muss man den Tourismus in der Gemeinde Triesenberg als eigenen Wirtschaftsfaktor berücksichtigen. Im Hinblick auf die «klassischen» Wirtschaftsbereiche fiel die Bilanz im Jahr 2008 aber eher ernüchternd aus: Als eigene Stärke erkannte man lediglich die Leistungsfähigkeit des Gewerbes an und man sah weiteres Potenzial für das Kleingewerbe. Als Schwächen wurden die bestehenden Strukturen schnell ausgemacht: Es gab keine grösseren Unternehmen, der Wirtschaftsstandort sei aufgrund der Lage unattraktiv und es gab nur wenige Finanzdienstleistungsunternehmen. Die Konsequenz: Nur wenig eigene Steuereinnahmen. Chancen sah man in der Profilierung als Seminarstandort. Abgesehen vom Tourismus formulierte man seinerzeit auch für den «klassischen» Wirtschaftsbereich einen Leitsatz: Leistungsfähige Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe sollten angesiedelt werden und der Kontakt zu bestehenden Unternehmen sollte intensiviert werden. Seinerzeit wurden sogar Zielbranchen definiert und ein Vorgehen zur Akquisition von Betrieben festgelegt.

Vaduz setzt auf den Finanzplatz
Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, zeigt aus heutiger Sicht die damalige Selbsteinschätzung der Gemeinde Vaduz. Eine ganze Reihe von Stärken vielen den Verantwortlichen damals ein – als eine der Hauptstärken nannten sie den Finanzplatz. Während sich beinahe alle übrigen Gemeinden im Jahr 2008 um die Diversifizierung ihrer jeweiligen Standorte sorgten, formulierte die Gemeinde Vaduz beim Handlungsfeld Wirtschaft einen sehr eng gesteckten Leitsatz: «Wir fördern das massvolle, qualitative Wachstum des Finanzplatzes (Banken, Versicherungen, Treuhand, Juristen). Wir hegen und pflegen die ansässigen Unternehmen.»

Die damaligen Selbsteinschätzungen der übrigen Gemeinden werden in einer der nächsten Ausgaben veröffentlicht. Parallel dazu werden die Gemeindevorsteher gebeten, mit Blick auf das damalige Strategiepapier «Perspektive 11eins» auf die aktuellen Entwicklungen in ihren Gemeinden einzugehen.

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