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Hans-Peter Tschütscher tritt zurück: «Aber für die Pension ist es definitiv noch zu früh»

Hans-Peter Tschütscher tritt zurück: «Aber für die Pension ist es definitiv noch zu früh»

Hans-Peter Tschütscher wird nach rund 10 Jahren künftig nicht mehr als Vizepräsident der Wirtschaftskammer zur Verfügung stehen. In dieser Funktion, aber auch im eigenen Unternehmen geht es nun darum, die Nachfolge zu regeln. Für den Ruhestand bleibt dem 62-Jährigen aber noch einige Zeit.

Von Holger Franke

 

«Volksblatt»: Herr Tschütscher, ist es richtig, dass Sie sich Ende April nicht mehr für eine weitere Wahlperiode zur Verfügung stellen?

Hans-Peter Tschütscher: Ja das ist richtig. Im September letzten Jahres habe ich meinen Präsidiumskollegen mitgeteilt, dass ich für eine weitere Periode nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Dies wurde dann in Folge dem Vorstandsgremium und der Präsidentenkonferenz kommuniziert.

Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Ich bin nun bereits über 10 Jahre in der Funktion als Vizepräsident tätig. Unser Präsident Arnold Matt ist schon länger dabei und hat auch schon ein paar Amtsjahre auf dem Buckel. Um die erfolgreiche Arbeit weiterzuführen, ist es wichtig, auch im Führungsgremium der Wirtschaftskammer eine kontunierliche Erneuerung von jüngeren Kräften einzusetzen. So mache ich nun den Anfang, ich bin auch der Ältere.

Sie waren jetzt 10 Jahre Vizepräsident. Anfangs noch bei der Gewerbe- und Wirtschaftskammer (GWK), aus der dann die Wirtschaftskammer entstanden ist. Wie beurteilen Sie rückblickend diesen Wandel?

Der Wandel oder besser noch der Übergang von der GWK zur jetzigen Form der Wirtschaftskammer war schon eine sehr harte Nuss. Man bedenke, wir hatten ein geregeltes Einkommen durch die Umlagen von den «Pflichtmitgliedern». Die heutigen Einnahmen setzen sich zusammen aus Erwirtschaftung von Dienstleistungen, Mitgliedsbeiträgen und einem Beitrag des Landes, der durch eine Leistungsvereinbarung immer wieder neu geregelt wird. Allein schon durch die Aufzählung sieht man, dass jetzt viel mehr Arbeit dahintersteckt. Aber rückblickend muss ich sagen, und das sage ich auch für meine Kollegen aus dem Präsidium der Wirtschaftskammer, sind wir mit der heutigen Konstellation sehr zufrieden, da wir dadurch natürlich auch freier geworden sind. Der Arbeitsaufwand hat sich aber immens gesteigert. Immer mehr Vorgaben durch den EWR, neue Gesetze, die zu berücksichtigen sind, aber auch Regelungen im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr und grenzübergreifende Sozialabgaben erfordern heute eine umfassende Beratung und Betreuung unserer Mitglieder.

Und im Hinblick auf das Gewerbe in Liechtenstein? Ist die Lage für das Gewerbe heutzutage wirklich schwieriger geworden, als sie es vor 10 Jahren war?

Ja schon. Abgesehen von der schwierigen Wirtschaftslage durch den tiefen Euro ist aber auch die Formularflut, vor allem im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr, erheblich gewachsen. Der Detailhandel leidet am starken Franken oder tiefen Euro, je nach Sichtweise. Aber auch die Lohnnebenkosten haben sich in der Vergangenheit stark gesteigert. Unter Lohnnebenkosten fallen die Krankenversicherung und auch die Krankentaggeldversicherung. Beide sind in den letzten Jahren explosionsartig in die Höhe geschnellt. Bei der Krankenversicherung wollten wir den Arbeitgeberanteil plafonieren, das ist uns leider nicht gelungen. Jetzt möchten wir mit der Initiative «Familie und Beruf» erreichen, dass die Beiträge für den Mutterschaftsurlaub und auch ein Teil der Kitabeiträge aus der Familienausgleichskasse (FAK) bezahlt werden. Schwangerschaft soll keine Krankheit mehr sein. Zur Erinnerung, die FAK-Gelder werden ausschliesslich von den Arbeitgebern einbezahlt, und aus diesen Geldern wird heute schon das ge-samte Kindergeld bezahlt. Zurzeit läuft bei uns auch die Aktion «gleichlange Spiesse». Da wollen wir im Grunde erreichen, dass der grenzüberschreitende Dienstleistungsverkehr in die Schweiz wieder so gehandhabt wird, wie er vorher war. Die Schweizer fahren herüber wir fahren hinüber, ohne 90 Tageregelung und ohne vorherigen Formularkrieg. Aber da spielen unsere eidgenössischen Freunde noch nicht ganz mit, weil sie bei uns diese Situation schon fast so antreffen, wir aber bei ihnen noch die ganzen Hürden haben. Ich denke, wenn die Schweizer dieses Formular- und Arbeitsverhinderungsgeplänkel bei uns auch erfüllen müssen, und dieses auch kontrolliert und gehandhabt wird, werden sie auch bereit sein, die Sache wieder einfacher zu gestalten.

Höre ich da eine gewisse Unzufriedenheit gegenüber der Politik heraus?

Ja, vor allem eine Unzufriedenheit gegenüber der Gesamtsituation. Die Politiker tun sicher ihr Bestes und ich verfolge ja schon seit Jahren aus nächster Nähe ihre Bemühungen, die angesprochenen Agenden zu bearbeiten. Es ist halt nicht befriedigend, wenn trotz dieser Bemühungen die Situationen nicht entscheident verbessert werden können. Da braucht es halt auch manchmal wieder ein bisschen einen Anstoss, damit die Probleme nicht vergessen werden.

Das klingt so, als ob auf Ihren Nachfolger einige Aufgaben zukommen werden.

Ja, das ist so. Arbeit gibt es immer. Auf ihn wartet schon ein neues Projekt. Aber, noch bin ich ja da, und die angefangenen Projekte und Kommissionen werde ich auch zu Ende begleiten, auch wenn sie über meine Mandatsperiode hinausgehen. Vor allem ein Projekt möchte ich noch erwähnen, dass wir im Januar gestartet haben. Da geht’s um die Überprüfung und Erarbeitung von Kriterieren zum öffentlichen Auftragsvergabegesetz. Mit diesen Vorschlägen wollen wir dann auch noch in diesem Jahr bei der Regierung vorsprechen.

Lassen wir die Katze doch aus dem Sack: Wer ist der Kandidat und wie wird er gewählt?

Namen möchte ich jetzt keinen sagen. Gewählt wird er auf Vorschlag des Verbandsvorstandes an der Mitgliederversammlung am 29. April 2016 im Eschner Saal.

Was macht Sie sicher, dass er der geeignete Kandidat sein wird?

Er ist bereits seit einiger Zeit Mitglied im Verbandsvorstand. Ein echter Gwerbler, der sich, genau wie ich auch, etwas zu sagen traut und die Interressen der Wirtschaftskammer engagiert vertritt.

Bereits am Montag wird es ein Zusammentreffen geben, um was geht es da?

Der Gipserverband und der Malerverband, beides Sektionen der Wirtschaftskammer, haben anlässlich ihrer Jahresversammlungen beschlossen, miteinander zu fusionieren. Am Montag findet darum diese Fusions- und Gründungsversammlung statt.

Eine Fusion? Was wären aus Ihrer Sicht die Vorteile eines solchen Zusammenschlusses?

Ich denke, in der heutigen Zeit ist es nur vernünftig, Ressourcen und Synergien zu bündeln, und das tun wir effektiv mit dieser Fusion. Zu meiner Präsidentenzeit im Gipserverband, von 1988-2005, also zur Zeit der Pflichtmitgliedschaft, hatte der Gipserverband noch 37 Mitglieder und der Malerverband meines Wissens 58 Mitglieder. Heute hat sich dies stark reduziert. Dies aus verschiedenen Gründen. Kleine Betriebe, oft waren dies nur Einmannbetriebe, der Meister und ein Geselle. Diese haben das Geschäft aufgegeben, weil kein Nachfolger den Betrieb übernehmen wollte. Andere haben aus finanziellen oder anderweitigen Gründen aufgehört oder haben sich einem grösseren Geschäft angeschlossen. Dann gibt es noch einige, die den Vorteil der Mitgliedschaft in der Wirtschaftskammer noch nicht erkannt haben. Somit ist in Summe eine viel kleinere Anzahl an Mitgliedsbetrieben übriggeblieben. Schon seit längerer Zeit haben wir, der Vorstand des Gipser- sowie des Malerverbandes, an einem Zusammenschluss gewerkelt. Aber so bewährte Strukturen wie Berufsverbände brauchen ihre Zeit für eine Erneuerung und die geplanten Ideen wurden immer wieder auf später verschoben. Ich glaube, jetzt ist die Zeit reif dafür. Das Berufsbild der Gipser und Maler ist sich auch immer näher- gekommen. Die Berufsausbildung findet schon seit Jahren im selben Gebäude in Wallisellen statt, das dem Schweizer Maler Gipser Verband gehört. Diese sind schon seit längerer Zeit zusammen.

Könnte dies Vorbildcharakter haben? Mit anderen Worten: Könnte es künftig weitere Fusionen von Sektionen der Wirtschaftskammer geben?

Ob in absehbarer Zeit in der Wirtschaftskammer weitere Zusammenschlüsse stattfinden werden, kann ich nicht sagen, dies liegt in der Verantwortung der jeweiligen Sektionen. Aber ich könnte mir das schon noch vorstellen.

Herr Tschütscher, ganz zum Schluss: Was machen Sie nun in Zukunft?

Also für die Pension ist es definitiv noch zu früh. Ich bin noch in einigen Projekte der Wirtschaftskammer involviert, die ich natürlich gerne mitbegleiten werde. Ich habe aber nach wie vor noch meinen eigenen Betrieb, dem ich mich weiterhin mit ganzer Kraft widmen werde. Jetzt gilt es, meine Nachfolge zu regeln. Ich bin 62 Jahre jung und stelle mir vor, noch so 5–6 Jährchen zu arbeiten und gemeinsam mit meinem Nachfolger das Gipsergeschäft so aufzustellen, damit ich dann mal beruhigt in die Pension gehen kann.

«Der Übergang von der GWK zur jetzigen Form der Wirtschaftskammer war schon eine sehr harte Nuss.»

«Er ist bereits seit einiger Zeit Mitglied im Verbandsvorstand.»

 

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