Die Bauunternehmen beurteilen ihre allgemeine Lage im zweiten Quartal 2010 positiv. Die Ertragsentwicklung sei hingegen schlecht. Grund dafür ist der anhaltende Preiskampf im Bausektor.
Von Günther Fritz
Die Auftragseingänge der Bauunternehmen sind im 2. Quartal2010 zum ersten Mal seit einem Jahr wieder angestiegen. Dies geht aus der gestern vom Amt für Statistik veröffentlichten Konjunkturumfrage hervor. 37 Prozent der befragten Unternehmen melden steigende und 32 Prozent gleichbleibende Auftragseingänge. 31 Prozent der Bauunternehmen verzeichnen rückläufige Auftragseingänge.
Krise anfangs Jahr richtig spürbar
Wie Beat Gottlieb Gassner, Präsident des Baumeisterverbands Liechtenstein, auf Anfrage des «Vaterlands» ausführt, sei die Wirtschaftskrise in der Baubranche erst in den ersten Monaten 2010 richtig spürbar gewesen. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage an Offerten bis zu den Sommerferien stark gewesen. In den Monaten September bis Dezember 2009 sei es weniger gut gelaufen. Dennoch seien die Unternehmen durch die vor den Sommerferien erteiltenAufträge noch gut ausgelastet gewesen. Im Winter habe die Baubranche immer zu kämpfen. Die Aufträge, welche im Februar, März und April 2010 vergeben wurden, hätten vom Preisniveau jedoch etwa 5 bis 10 Prozent tiefer gelegen als imVorjahreszeitraum. Im Mai und Juni dieses Jahres habe sich das Ganze erfreulicherweise erholt.
Vom neuen Baugesetz beeinflusst
Beat Gottlieb Gassner führt diese zeitlichen Unterschiede bei der Nachfrage nach Offerten nicht zuletzt auf dasneue Baugesetz zurück, das am 1. Oktober 2009 in Kraft getreten ist. So hätten im Sommer 2009 viele Architekten im Hinblick auf die vorteilhaftere Ausnützung gesagt, dass man mit einigen vorbereiteten Projekten noch zuwarte, bis das neue Baugesetz gilt. Die Ausschreibungen im Herbst 2009 seien dann jedoch nicht im erwarteten Ausmass ausgefallen. Für den Präsidenten des Baumeisterverbandes liegt das daran, dass bei derAuslegung des neuen Gesetzes eine gewisse Unsicherheit vorhanden gewesen sei und deshalb die Einreichung und die Genehmigung der Baugesuche länger gedauert hätten. Davon hätte nun aber die Baubranche im 2. Quartal 2010 profitieren können.
Aktuelle Auftragslage ist positiv
Die aktuelle Auftragssituation stuft Beat Gottlieb Gassner als positiv ein. Auch für den bevorstehenden Herbst sieht er eine gute Auslastung. Trotzdem habe die Baubranche zu kämpfen. Dies liege angesichts der hohen Unternehmensdichte und der grossen Kapazitäten an den schlechten Preisen. «Leider wird vielfach nur noch auf den Preis geschaut. Wir leiden nach wie vor unter einem tiefen Preisniveau», betont der Präsident des Baumeisterverbandes. Dementsprechend melden gemäss der Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2010 nur 4 Prozent der Bauunternehmen eine steigende Ertragsentwicklung. 50 Prozent bezeichnen diese als gleichbleibend und 46 Prozent schätzen die Erträge als rückläufig ein.
Industrie wieder im Aufschwung
Die liechtensteinische Industrie und das warenproduzierende Gewerbe verspüren allgemein einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Auftragseingänge stiegen im zweiten Quartal dieses Jahres kräftig an, die Ertragsentwicklung zeigt nach oben. Wie das Amt für Statistik gestern mitteilte, beurteilt die in den Jahren 2008 sowie 2009 von der Wirtschaftskrise gebeutelte Metallindustrie ihre allgemeine Lage zum zweiten Mal in diesem Jahr als positiv. Die Auftragseingänge in der Metallindustrie und im Metallgewerbe haben sich im zweiten Quartal 2010 massiv erhöht. 95 Prozent der Metallunternehmen melden steigende Auftragseingänge, 4 Prozent der Unternehmen verzeichnen eine gleichbleibende Auftragslage. Nur 1 Prozent der Metallunternehmen berichtet von einem Ru ckgang der Aufträge. Zudem waren die Anlagen ausgelastet und die Erträge stiegen stark an. Für das 3. Quartal erwartet die Branche weiterhin einen steigenden Auftragseingang.
Auch die übrigen industriellen Unternehmen betrachten ihre Situation als gut. Im Gegensatz zur Metallindustrie mussten sie während der Wirtschaftsflaute nur eine geringe Abschwächung bei den Auftragseingängen und den Erträgen hinnehmen.