Das
Bedürfnis nach Alternativmedizin ist in den vergangenen Jahren stetig
gestiegen. Deshalb informierten die Naturheilkunde und die Komplementärtherapie
Liechtenstein an der gestrigen Pressekonferenz über ihre Aufgaben und Ziele.
Schaan.
– Momentan gäbe es im liechtensteinischen Gesundheitswesen die Schulmedizin
und die Alternativmedizin. Die Nachfrage nach Letzterer sei in den letzten
Jahren rapide angestiegen, so Silvio Tribelhorn, Vertreter der Naturheilkunde
Liechtenstein. Allerdings gäbe es nach
wie vor eine Menge Skeptiker. Begriffe wie Kräuterhexen oder Wurzelmänner
würden nicht selten in diesem Zusammenhang fallen, so Tribelhorn weiter. Diesem
Halbwissen oder auch Nichtwissen möchten die beiden Sektionen der Wirtschaftskammer
Liechtenstein, Naturheilkunde Liechtenstein und Komplementärtherapie
Liechtenstein, endlich ein Ende setzten.
Gemeinsam für die Sache kämpfen
Die
beiden Sektionen machen nun gemeinsame Sache. Mit einer umfangreichen Gesundheitskampagne
namens «kerngesund» wollen sie die liechtensteinische Bevölkerung über die
Alternativmedizin informieren und sie somit sensibilisieren. «Das gemeinsame Ziel
ist es, die Alternativmedizin als eine nicht mehr wegzudenkende Alternative zur
Schulmedizin in Liechtenstein zu etablieren», so Tribelhorn. Um dies zu
erreichen, werden die alternativen Behandlungsmethoden und Therapien in den nächsten
Monaten näher vorgestellt. Auf der gemeinsamen Webseite werden Informationen,
Gesundheitstipps und öffentliche Veranstaltungen rund um das Thema
Alternativmedizin veröffentlicht. Ausserdem ist dort auch eine Auflistung der
rund 30 Therapeuten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen der
Alternativmedizin zu finden.
Komplementärtherapie
«Den
Menschen individuell und als Ganzes verstehen, ihn zu begleiten, um seine
körperliche, seelische und geistige Gesundheit zu fördern, ist das wichtigste
Anliegen der natürlichen Behandlungsmethoden der Komplementärtherapie », so
Harald Reiterer, Vertreter der Komplementärtherapie Liechtenstein. Mit rund 20
Komplementärmethoden von Akupunkturmassagen über Bewegungs- und Tanztherapie bis
hin zur Yogatherapie soll ergänzt werden, was der Mensch für die Gesundheit und
zum persönlichen Wohlbefinden noch braucht. Zum Einsatz kommen lediglich
manualtherapeutische Techniken und Hilfsmittel, jedoch keine Medikamente. Dies
ist der wesentlichste Unterschied zur Naturheilkunde.
Naturheilkunde
Die
zweite Sektion der Alternativmedizin in Liechtenstein ist die Naturheilkunde. Hierbei
geht es vor allem darum, mit verschiedenen Therapiemethoden, welche auf bis zu
5000- jähriger Erfahrung basieren, die Widerstands- und Selbstheilungskräfte mit
natürlichen Mitteln anzuregen und zu festigen. Dabei will man in erster Linie
nicht gegen eine Krankheit, sondern für eine Wiederherstellung der Gesundheit
wirken. «Im liechtensteinischen Gesundheitsgesetz werden unter dem Beruf der
Naturheilpraktiker die Homöopathie, die traditionelle chinesische Medizin und
die traditionelle europäische Naturheilkunde zusammengefasst», so Silvio Triebelhorn.
Grenzen setzen
Mit den
Komplementärmethoden als auch mit den Naturheilmethoden könne man akute und
chronische Beschwerden behandeln. Man müsse aber auch Grenzen setzen, diese
wären immer dort zu setzen, wo ärztliche oder chirurgische Massnahmen
erforderlich seien und wo die Selbstheilungskräfte und die Unterstützung des
Therapeuten zur Behandlung, Heilung oder Linderung der Beschwerden nicht mehr
ausreichen würden.
Die Sektionen Komplementärtherapie und Naturheilkunde
Liechtenstein würden hohe Anforderungen an die Ausbildung und die Ethik ihrer Mitarbeiter
stellen und diese auch stetig überprüfen. Nur wer die strengen Qualitätskriterien
des Amtes für Gesundheit erfülle, erhalte die Bewilligung zur Berufsausübung
und wird als Mitglied aufgenommen.
Wer bezahlt?
Patienten,
die über eine entsprechende Zusatzversicherung verfügen, können sich einen Teil
der Leistungen rückvergüten lassen. Dies geht aber nur, wenn die Methode und
der Therapeut bei der Krankenkasse anerkannt ist. Ob ein Therapeut bei der Krankenkasse
anerkannt ist, habe in der Regel nichts mit der Qualität der Behandlung zu tun.
Es sei mehr eine persönliche Entscheidung des Therapeuten, ob er den Weg über
die Krankenkasse gehen will oder nicht. Ist er von der Krankenkasse anerkannt
und verfügt der Patient über die nötigen Versicherungen, so trägt die Kasse 75 Prozent
der Kosten, für die restlichen 25 Prozent muss der Patient selber aufkommen.
«Die
Alternativmedizin hat diesbezüglich einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der
Schulmedizin. Diesen gilt es wettzumachen», so Gesundheitsministerin Renate
Müssner. «Da es weiterhin viele Skeptiker gibt, ist es wichtig, intensiv zu
informieren und somit die Bevölkerung zu sensibilisieren. Ich denke, die neue
Kampagne ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung.»