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Löhne müssen runtergehen
 
Mittwoch, 24. August 2011 01:00
Wirtschaft Regional

Sven Simonis appelliert im Interview dafür, dort einzukaufen, wo man seinen Lohn verdient. Durch den Einkaufstourismus im Vorarlberg würden hiesige Arbeitsplätze bedroht, sagt der Präsident des Liechtensteinischen Handelsgewerbes.




Mit Sven Simonis sprach Stefan Lenherr

Herr Simonis, sollten Liechtensteiner und Schweizer aus Solidarität gegenüber dem heimischen Einzelhandel auf den Einkauf im günstigeren Vorarlberg verzichten?
Sven Simonis:
Nicht aus Solidarität, sondern vielmehr, um Arbeitsplätze zu sichern. Wenn die  Konsumenten zum Einkauf über die Grenze fahren, schrumpfen dadurch die Umsätze der Unternehmen. In diesem Fall wird als erstes beim Personal gespart und man wird sich fragen, ob man weiterhin Lehrlinge ausbilden kann, denn diese kosten Geld. Eltern sollten sich fragen, wo ihre Kinder einmal die Lehre machen sollen. Etwa in Vorarlberg, wo sie nach der Lehre weniger verdienen, als man hier von der Sozialhilfe bekommt?

«Währungsvorteil wird sich stärker niederschlagen»

Könnten sich die Einzelhändler nicht einfach mit ein bisschen weniger Gewinn begnügen, um preislich  attraktiver zu werden?
Die Unternehmer verdienen sich keine goldene Nase, wie das manchmal suggeriert wird. 50 Prozent der  Kosten entfallen auf Löhne, Lohnnebenkosten, Miete, Marketing und Werbung. Diese Posten werden alle in Schweizer Franken beglichen. Wenn man die Lohnkosten mit denen von Vorarlberg vergleicht, dann wird  es verständlich, dass die Produkte hier einfach etwas teurer sind als über der Grenze.

Können Sie ein Beispiel für die Lohnunterschiede nennen?
Wer in einem Liechtensteiner Geschäft arbeitet, das der Wirtschaftskammer angeschlossen ist, hat gemäss Gesamtarbeitsvertrag nach der Lehre zum Detailhandelsangestellten Anrecht auf einen Mindestlohn von 3600 Franken. Im Vergleich dazu verdient ein Berufsanfänger in Vorarlberg in der gleichen Produktsparte 1334 Euro. Nimmt man unseren Mindestlohn als Massstab, müsste ein Lehrabgänger in Vorarlberg umgerechnet 3160 Euro verdienen. Das entspricht in etwa dem, was man als Prokurist in Österreich in diesem Beruf verdient – nach 10 Jahren.

Allerdings sind im Euroraum die Lebenshaltungskosten auch wesentlich niedriger als hier.

Natürlich. Es ist auch egal, wo der Euro steht – in Vorarlberg wird man immer etwas günstiger einkaufen können. Doch hier ist man einen anderen Lebensstandard gewöhnt, den will man ja auch behalten. Wenn  man unbedingt die Vorarlberger Preise haben möchte, müssten die Löhne 20 bis 30 Prozent runtergehen. Dann könnten die Geschäfte auch die Margen senken. Irgendwie muss der Unternehmer aber die Lohnkosten, die Lohnnebenkosten und die Mieten wieder hereinbekommen.

Dennoch: Müsste es nicht möglich sein, die Kunden von den Währungsvorteilen profitieren zu lassen? Warum kaufen Geschäfte beispielsweise nicht vermehrt direkt im Euroraum ein, um günstiger an ihre Ware zu kommen?
Das ist nicht so einfach. Oft ist es so, dass die Firmen Niederlassungen in der Schweiz haben. Wenn man beim Hauptsitz im Euroraum Ware ordern will, um die Währungsvorteile auszuspielen, heisst es, dass man sich an die Schweizer Niederlassung wenden muss. Man kommt an die Euro-Ware teilweise einfach nicht ran.

Wer profitiert denn von der Euro-Schwäche? Die Lieferanten, die billig im Euroraum einkaufen und teuer in die Schweiz und nach Liechtenstein verkaufen?
Ich würde sagen, unter dem Strich geht die Rechnung auf. Als der Euro bei 1,60 lag, haben wir bei den Firmen noch zu einem Kurs von 1,45 oder 1,50 eingekauft. Auf diese Schwankungen zu reagieren, dauert seine Zeit. Zudem muss man sehen, dass die Produkte heute in einem weltweiten Produktionsverbund hergestellt werden und Rohmaterial weltweit bezogen wird. Da hat die Euro-Situation nur einen marginalen Einfluss auf die Herstellerkosten.

Wie lange dauert es denn, bis sich die Frankenstärke positiv auf die Preisgestaltung auswirken kann?
Zum Teil ist das schon jetzt der Fall. Einige Lieferanten haben ihre Preise teilweise um 10 bis 20 Prozent reduziert. So können viele heimische Einzelhändler damit ihre Euro-Ware auch günstiger anbieten. Ich gehe davon aus, dass es im Herbst und im Winter nochmals Preissenkungen geben wird, da Waren oft ein halbes Jahr im Voraus geordert werden. Dann wird sich der Währungsvorteil stärker niederschlagen.


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