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Mit «Eurofonds» gegen Frankenstärke
 
Dienstag, 20. Dezember 2011 01:00
Wirtschaft Regional

Ein «Eurofonds» könnte es dem liechtensteinischen Gewerbe ermöglichen, günstigere Konditionen für ihre Auslandsgeschäfte vorzufinden. Ausserdem sollen Einkaufsgenossenschaften und neue Arbeitszeitmodelle für Entlastung sorgen.

 

Von Christian A. Koutecky

 

Triesen. – Es ging weniger um das Problem als um mögliche Lösungen beim Zusammentreffen hochkarätiger Vertreter des Liechtensteiner Gewerbes. Eine Diskussionsrunde war am Donnerstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe «BIZ – Branchen Innovationen Zukunft» in den Räumlichkeiten derVP Bank inTriesen zusammengekommen.

 

Die Wirtschaftskammer hatte gemeinsam mit der Bank zu dieser Runde eingeladen, die unter der Gesprächsleitung von «Wirtschaft regional » Wege herausarbeiten sollte, um die heimischeWirtschaft zu stablisiersen und Rezepte gegen die Belastung durch den starken Franken zu finden. Da auch heimische Grossunternehmen ihr Auftrags- und Abrechnungssystem zumindest inTeilbereichen auf Euro umstellen wollen, wird sich die Währungsproblematik künftig kaum besser darstellen. Ein Patentrezept trat nicht zutage, aber viele Mixturen für den kränkelnden Patienten.

 

Aus Klein mach Gross

 

Die Überschrift für die besten Mittelchen lieferte Magnus Tuor, Präsident der Gewerblichen Industrie Liechtenstein und Chef der MesstechnikAG in Triesen. Tuor forderte mehr Solidarität der kleinen und mittleren Unternehmen ein und betonte: «Viele Kleine ergeben auch einen Grossen.» Hintergrund dieser Forderung: Ein kleines Unternehmen hat weder gegenüber einem Generalimporteur noch gegenüber der Politik genug Gewicht, die eigenen Forderungen durchzusetzen und die Konditionen wesentlich zu verbessern. Je mehr sich zusammentun, desto grösser die Kraft, um etwas zu ändern.

 

So kristallisierten sich während des BIZ zwei grössere Blöcke heraus: Die Wirtschaftskammer soll gemeinsam mit der VP Bank prüfen, ob und wie ein «Eurofonds» für Liechtensteins Unternehmer aufgelegt werden kann – und auch die Universität könnte in die Konstruktion eines solchen Fonds miteinbezogen werden. Dieser Fonds soll dazu dienen, dass die teilnehmenden Unternehmen die Einnahmen aus den Geschäftstätigkeiten im Euroraum bündeln, um damit am Geldmarkt bessere Konditionen beim Umtausch in Franken zu erhalten.

 

Gemeinsam Einkaufen

 

Der zweiteAnsatz ist weniger neu und wird beispielsweise von Liechtensteins Bäckern seit Längerem praktiziert: Unternehmen sollen sich in Einkaufsgenossenschaften organisieren – eventuell auch branchenübergreifend – um durch die höheren Stückzahlen bei ihren Einkäufen entsprechende Rabatte auszuhandeln.

 

Darüber hinaus kündigte Wirtschaftskammerpräsident Arnold Matt an, prüfen zu lassen, inwieweit diverse Protektionismusmassnahmen der Schweiz, die auch für Liechtenstein angewandt werden, der Rechtslage in der Europäischen Union und damit im Europäischen Wirtschaftsraum EWR widersprechen.Viele Schweizer Regelungen führen zu einer künstlichen Verteuerung beim Einkauf von Produkten und zu Kostensteigerungen für Liechtensteiner Unternehmen, die sie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der ausländischen Konkurrenz einschränken.

 

Eine weitere Entlastung für die Unternehmen könnte eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit für die Angestellten bringen – falls die Auftragsbücher voll genug sind, um mit längeren Arbeitszeiten tatsächlich die Lohnstückkosten zu senken. Hierbei könnte auch eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten nützen, die in auftragsintensiven Phasen zu höheren Arbeitszeiten und in auftragsarmen Wochen zu mehr Freizeit führt.

 

Die Diskussionsrunde zeigte eine breite Zustimmung darin, dass sich bei einer Erhöhung der Arbeitszeiten Angestellte nicht wieVerlierer fühlen, sondern durch Anreizsysteme überzeugt werden sollen. Erklärtes Ziel ist es, Entlassungen zu vermeiden.

 

Viele kleine Schritte

 

Alles in allem setzte sich beim BIZ die Erkenntnis durch, dass es sinnlos ist, auf den grossenWurf oder eine Besserung der Lage im Euroraum zu warten – und dass Liechtensteiner Unternehmen in vielen kleinen, aber wirksamen Schritten versuchen sollen, die Situation zu verbessern – was zuTuors Leitsatz passte: Viele Kleine ergeben auch einen Grossen.

 

Die Suche nach Lösungsmöglichkeiten: Bei der VP Bank in Triesen waren Vertreter des Liechtensteiner Gewerbes zusammengekommen, um über die Frankenproblematik zu diskutieren. Bild Daniel Ospelt


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