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«Dann werden wir euch in der Öffentlichkeit fertigmachen ...!»
 
Dienstag, 31. Januar 2012 01:00
Liechtensteiner Volksblatt

Konflikt Dicke Luft und ein vermeintlicher Eklat zwischen dem Zimmermeister-Verband und dem Arbeitnehmer-Verband: Seit 1. Januar gibt es keinen GAV mehr, ab sofort können «die üblichen Löhne» ausbezahlt werden.

In der heutigen Ausgabe des «Unternehmer» – der zehn Mal jährlich erscheinenden Publikation der Wirtschaftskammer Liechtenstein – geht der Sektionspräsident des liechtensteinischen Zimmermeis-ter-Verbands mit dem Präsident des Arbeitnehmerverbands, Sigi Langenbahn, in einem Interview hart ins Gericht. Nachdem die Gesamtarbeitsvertragsverhandlungen abgebrochen wurden beziehungsweise gescheitert sind – so einig sind sich die beiden Kontrahenten nicht – hagelt es Vorwürfe. Jedenfalls: Das Aus für die Lohnverhandlungen zwischen dem Liechtensteiner Zimmermeister-Verband und dem LANV führte dazu, dass es seit dem 1. Januar keinen GAV mehr gibt.

Einstimmiges Ergebnis

Im Interview mit dem «Unternehmer» meinte Reinhard Marxer, was Sigi Langenbahn nach dem Verhandlungs-Aus meinte – nämlich, dass es zum Eklat gekommen sei – sei eine Frechheit. «Faktum ist», so der Sektionspräsident, «dass wir im Vorstand lange unser Angebot diskutiert haben und einstimmig zu einem Ergebnis gekommen sind. Es handelt sich also nicht um einen Vorschlag von mir, sondern um den von unserem gesamten Vorstand.» Inhalt des Papiers waren Vorschläge für Mindestlohnerhöhungen (1,8 Prozent) und das Angebot für individuelle Lohnerhöhungen (0,6 Prozent). Die Forderung nach Anhebung des Ferienanspruchs um zwei Tage ab dem 50 Lebensjahr, wie von dem LANV gefordert, anstatt einem Tag ab dem 55. Lebensjahr, wurde abgelehnt. «Zudem verlangten wir eine Erhöhung der Brutto-Sollarbeitszeit um 0,13 Stunden pro Tag.» Der Grund für diese Arbeitszeiterhöhung liege in der Konkurrenzfähigkeit für Aufträge im nahen Ausland. «In diese Arbeitszeiterhöhung wollen wir die Fahrzeit zum Arbeitsplatz integrieren», erklärte Reinhard Marxer. Sigi Langenbahn, im Interview massiv angegriffen, meinte gestern auf «Volksblatt»-Anfrage: «Zu behaupten, die Verhandlungen seien gescheitert oder gestoppt, ist dreist. Es gab nämlich gar keine Verhandlungen. Es wurde uns ein fix und fertiges, allerdings völlig unausgereiftes Papier vorgelegt. Über dessen Inhalt wurde kein einziges Wort diskutiert – vonseiten des Zimmermeister-Verbandes war auch zu keiner Sekunde Bereitschaft dazu zu spüren. Das sollten wir nun nach dem Motto: Friss oder stirb unterschreiben. Dazu waren wir selbstverständlich nicht bereit. Nachdem wir bei der ersten Sitzung nicht vorangekommen sind, wollten wir ganz einfach eine zweite Verhandlungsrunde vereinbaren. Das war nicht möglich.» Vielmehr habe man dem LANV damit gedroht: «Es wird keine Verhandlungen mehr geben. Wenn das jetzt nicht unterschrieben wird, dann machen wir euch in der Öffentlichkeit fertig.» Diese Ankündigung sei nun, so Langenbahn, mit dem Interview im Wirtschaftskammer-Blatt tatsächlich auch wahr gemacht worden.Reinhard Marxer seinerseits lässt an Langenbahn kein gutes Haar: Was Langenbahn bisher öffentlich von sich gegeben habe, sei erschreckend. «Ich habe das Gefühl, dass es ihm mehr um eine persönliche Abneigung gegen mich geht als um die Sache selbst. (...) Ich werfe ihm vor, dass er unser Angebot fachlich, sachlich und sachorientiert gar nicht richtig geprüft hat», sagt dieser im Interview. Auch spricht er Langenbahn Kompetenz ab.

«Drohung seitens der Sektion»

Sigi Langenbahn zum «Volksblatt»: «Solche Vorwürfe sind einfach lächerlich. Ich habe überhaupt nichts gegen Reinhard Marxer. Ich habe auch kein Problem damit, ihn freundlich zu grüssen, wenn ich ihm begegne. Seine Aussagen führe ich – wie bereits erwähnt – auf die Strategie seitens seiner Sektion zurück. Ich bin nach wie vor gesprächsbereit.» Im Übrigen habe er, Langenbahn, mehrfach bei der Wirtschaftskammer Kooperationsbereitschaft signalisiert und um weitere Gesprächstermine angefragt. «Leider blieben meine Bemühungen bisher unbeantwortet», klagt der LANV-Präsident. Langenbahn hofft, dass sich die Patt-Situation nicht negativ auf die Verträge der Arbeitnehmer auswirkt. «Vor allem ausländische Arbeitgeber könnten die Situation jetzt ausnützen: Die Gefahr des Lohndumpings steht auf jeden Fall im Raum.»


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