Konflikt Dicke Luft und ein
vermeintlicher Eklat zwischen dem Zimmermeister-Verband und dem
Arbeitnehmer-Verband: Seit 1. Januar gibt es keinen GAV mehr, ab sofort können
«die üblichen Löhne» ausbezahlt werden.
In der heutigen Ausgabe des «Unternehmer» – der
zehn Mal jährlich erscheinenden Publikation der Wirtschaftskammer Liechtenstein
– geht der Sektionspräsident des liechtensteinischen Zimmermeis-ter-Verbands mit
dem Präsident des Arbeitnehmerverbands, Sigi Langenbahn, in einem Interview hart
ins Gericht. Nachdem die Gesamtarbeitsvertragsverhandlungen abgebrochen wurden
beziehungsweise gescheitert sind – so einig sind sich die beiden Kontrahenten
nicht – hagelt es Vorwürfe. Jedenfalls: Das Aus für die Lohnverhandlungen
zwischen dem Liechtensteiner Zimmermeister-Verband und dem LANV führte dazu,
dass es seit dem 1. Januar keinen GAV mehr gibt.
Einstimmiges Ergebnis
Im Interview mit dem «Unternehmer» meinte
Reinhard Marxer, was Sigi Langenbahn nach dem Verhandlungs-Aus meinte – nämlich,
dass es zum Eklat gekommen sei – sei eine Frechheit. «Faktum ist», so der
Sektionspräsident, «dass wir im Vorstand lange unser Angebot diskutiert haben
und einstimmig zu einem Ergebnis gekommen sind. Es handelt sich also nicht um
einen Vorschlag von mir, sondern um den von unserem gesamten Vorstand.» Inhalt
des Papiers waren Vorschläge für Mindestlohnerhöhungen (1,8 Prozent) und das
Angebot für individuelle Lohnerhöhungen (0,6 Prozent). Die Forderung nach
Anhebung des Ferienanspruchs um zwei Tage ab dem 50 Lebensjahr, wie von dem LANV
gefordert, anstatt einem Tag ab dem 55. Lebensjahr, wurde abgelehnt. «Zudem
verlangten wir eine Erhöhung der Brutto-Sollarbeitszeit um 0,13 Stunden pro
Tag.» Der Grund für diese Arbeitszeiterhöhung liege in der Konkurrenzfähigkeit
für Aufträge im nahen Ausland. «In diese Arbeitszeiterhöhung wollen wir die
Fahrzeit zum Arbeitsplatz integrieren», erklärte Reinhard Marxer. Sigi
Langenbahn, im Interview massiv angegriffen, meinte gestern auf
«Volksblatt»-Anfrage: «Zu behaupten, die Verhandlungen seien gescheitert oder
gestoppt, ist dreist. Es gab nämlich gar keine Verhandlungen. Es wurde uns ein
fix und fertiges, allerdings völlig unausgereiftes Papier vorgelegt. Über dessen
Inhalt wurde kein einziges Wort diskutiert – vonseiten des
Zimmermeister-Verbandes war auch zu keiner Sekunde Bereitschaft dazu zu spüren.
Das sollten wir nun nach dem Motto: Friss oder stirb unterschreiben. Dazu waren
wir selbstverständlich nicht bereit. Nachdem wir bei der ersten Sitzung nicht
vorangekommen sind, wollten wir ganz einfach eine zweite Verhandlungsrunde
vereinbaren. Das war nicht möglich.» Vielmehr habe man dem LANV damit gedroht:
«Es wird keine Verhandlungen mehr geben. Wenn das jetzt nicht unterschrieben
wird, dann machen wir euch in der Öffentlichkeit fertig.» Diese Ankündigung sei
nun, so Langenbahn, mit dem Interview im Wirtschaftskammer-Blatt tatsächlich
auch wahr gemacht worden.Reinhard Marxer seinerseits lässt an Langenbahn kein
gutes Haar: Was Langenbahn bisher öffentlich von sich gegeben habe, sei
erschreckend. «Ich habe das Gefühl, dass es ihm mehr um eine persönliche
Abneigung gegen mich geht als um die Sache selbst. (...) Ich werfe ihm vor, dass
er unser Angebot fachlich, sachlich und sachorientiert gar nicht richtig geprüft
hat», sagt dieser im Interview. Auch spricht er Langenbahn Kompetenz ab.
«Drohung seitens der Sektion»
Sigi Langenbahn zum «Volksblatt»: «Solche
Vorwürfe sind einfach lächerlich. Ich habe überhaupt nichts gegen Reinhard
Marxer. Ich habe auch kein Problem damit, ihn freundlich zu grüssen, wenn ich
ihm begegne. Seine Aussagen führe ich – wie bereits erwähnt – auf die Strategie
seitens seiner Sektion zurück. Ich bin nach wie vor gesprächsbereit.» Im Übrigen
habe er, Langenbahn, mehrfach bei der Wirtschaftskammer Kooperationsbereitschaft
signalisiert und um weitere Gesprächstermine angefragt. «Leider blieben meine
Bemühungen bisher unbeantwortet», klagt der LANV-Präsident. Langenbahn hofft,
dass sich die Patt-Situation nicht negativ auf die Verträge der Arbeitnehmer
auswirkt. «Vor allem ausländische Arbeitgeber könnten die Situation jetzt
ausnützen: Die Gefahr des Lohndumpings steht auf jeden Fall im Raum.»